Bereits in der Neubauphase des Südstadtviertels wurde der höher gelegene
Platz an der Schumannstraße als Standort der zukünftigen Filialkirche des
Bonner Münsters festgelegt.
Nach mehrjähriger Planungsphase erging am 10.3.1906 der Bauauftrag an
Ludwig Becker, einen weithin anerkannten Architekten aus Mainz. In Anlehnung
an das Bonner Münster sollte er eine neoromanische Kirche für 2200 Gläubige
mit Anbauten und Sakristei sowie einen angrenzenden Pfarrhauskomplex
entwerfen, die maßstabgerechten Zeichnungen und technischen Berechnungen
anfertigen und die Vergabe der Arbeiten und deren Ausführung überwachen.
Das Budget belief sich auf 450 000 Goldmark.
Am 18.11.1906 wurde der Grundstein gelegt. Und bereits 2 Jahre später konnte
der Rohbau abgeschlossen und mit der Gestaltung des Kirchenraumes
begonnen werden.
In dem Wunsch nach größtmöglicher Einheitlichkeit wurde auch die
Innenausstattung in die Hände Ludwig Beckers gelegt. Doch war dieser
Einheitlichkeit in dem vertraglich festgelegten Mitspracherecht des
Kirchenvorstandes bereits eine Grenze gesetzt, die sich nicht zuletzt in der
oft langwierigen Entstehungsgeschichte einzelner Ausstattungsstücke
widerspiegelt. Auf diese Weise konnte auch Bernard Custodis, seit 1910 Pfarrer in
St. Elisabeth, entscheidenden Einfluss auf die Wahl der Künstler nehmen.
Becker hatte bis dahin vornehmlich rheinische Künstler zur Ausführung der
Arbeiten herangezogen. Custodis aber, selbst Mitglied der 1893 in München
gegründet Gesellschaft für christliche Kunst, suchte vor allem Maler und
Bildhauer der Gesellschaft zu gewinnen, so Georg Busch und die Brüder
Matthias und Heinrich Schiestl.
Am 2. Februar 1910 war es soweit. Im Rahmen eines Festgottesdienstes
fand die feierliche Benediktion der Elisabethkirche statt. Zwei Jahre später
erfolgte ihre Konsekration, nachdem sie nur kurze Zeit vorher zur
eigenständigen Pfarrei erhoben worden war.
| Rundgang
Wer die 1910 benefizierte Elisabethkirche tagsüber betritt, den wird die
helle festliche Weite des Mittelschiffes gewiss überraschen. St. Elisabeth ist
eine dreischiffige Basilika auf nahezu rechteckigem Grundriß mit halbrundem
Hauptchor und zwei Seitenchören. Die Helle im Mittelschiff wird durch dessen
Überhöhung und die dreiteiligen Obergadenfenster bewirkt.
Am Beginn des Mittelganges eröffnet sich dem Besucher die beste Übersicht
über den Sakralraum. Natürlicherweise: denn es ist der Blick desjenigen,
der bei feierlichen Anlässen die Kirche im Westen durch das Hauptportal
betritt und dem wir bei diesem kurzen Rundgang im Uhrzeigersinn folgen.
Die gesamte Anlage ist auf den „heiligsten Ort", also den Hochaltar,
ausgerichtet, genauer: den dort befindlichen Tabernakel, in dem sich die
konsekrierte Hostie, nach katholischem Glaubensverständnis Jesus Christus
selbst befindet.
Die Kirche enthält zahllose Details, die der Besucher selbst entdecken kann.
Dazu gehören etwa die Deckenmalereien und die Kapitelle oder auch der
in der Vierung aufgehängte, staufischen Vorbildern folgende Radleuchter.
Der ursprüngliche Farbeindruck des Raumes lässt sich nach der
Kriegszerstörung der meisten Fenster erst bei den noch erhaltenen Fenster
an der Stirnwand des nördlichen Querschiffarmes nachempfinden.
Auf dem Weg dorthin, sieht man in den Langhauspfeilern die von dem
seinerzeit berühmten Architekten Ludwig Becker in der Gesamtkonzeption
vorgesehenen ersten Kreuzwegstationen. Auch sie verweisen in ihrer
Ausführung auf den Hochaltar.
Der Elisabeth-Altar im nördlichen Seitenchor entstand 1915. Er zeigt die
Markgräfin von Thüringen Elisabeth, wie sie mit ihren beiden Kindern Brot
und Kleidung an die Armen verteilt.
Beim Weitergehen zum Hauptaltar kommt der Betrachter am Marienaltar
vorbei. Der sehr aufwendig verzierte, einseitig bemalte Flügelaltar zeigt
links neben Mutter und Kind den hl. Bernhard von Clairvaux vor dem
Speyerer Dom und den hl. Hermann Joseph vor Groß-St. Martin in Köln
sowie rechts die hl. Ursula und die hl. Hildegard vor der Kölner Dombaustelle.
Auf dreistufigem Podest erhebt sich der 1912 fertiggestellte Hauptaltar.
In der Marmorverkleidung der Mensa sind drei Glasmosaike mit
eucharistischen Bildern eingelassen. Darüber erhebt sich das giebelförmige
Retabel. Reich geschmückt eingerahmt sieht man vor blauem Hintergrund
Christus am Kreuz, zu seinen Seiten die Gottesmutter und den
Lieblingsjünger Johannes. Die polychromierten Holzfiguren stammen von
Alexander Iven, ebenso wie die sechs Heiligen-Halbfiguren zu beiden Seiten
des Expositoriums.
Ein Blick zurück ins Mittelschiff gibt einen Eindruck von der Klais-Orgel
auf der Westempore. Auch dort befindet sich eine Darstellung der
Kirchenpatronin. Die Kanzel am südwestlichen Vierungspfeiler ist
vornehmlich aus hellem Sandstein hergestellt. Die vier Propheten und der
segnende Christus verzieren die Brüstung. Der hölzerne Schalldeckel wird
von Engelsfiguren bekrönt.
Erst 1922 wurde als Pendant zum Marienaltar der Josephsaltar gefertigt.
Die Seitenflügel zeigen links Jesu Geburt sowie Jesus und Joseph bei der
Arbeit und rechts die Ägypten-Flucht sowie Josephs Tod.
Der Herz-Jesu-Altar wurde 1918 geschaffen. Erfolgt dem Halbrund des
südlichen Seitenchores. Er wird vom segnenden Christus bestimmt, um den
sich beiderseits verehrend je siebzehn Heilige gruppieren. In dieser
Seitenkapelle wurde auch die XIV. Kreuzwegstation ausgestaltet.
Die drei vorherigen befinden sich kurz davor, während die weiteren wieder
an den Säulen auf dem Weg zum Ausgang betrachtet werden können.
|