Katholische Pfarrgemeinde St. Elisabeth, Bonn

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Cartellverband-Pontifikalamt

Pontifikalamt mit dem Apostolischen Nuntius Périsset und Weihbischof Koch in St. Elisabeth

In ihrer rund 100-jährigen Geschichte hat St. Elisabeth viele Veranstaltungen gesehen, die weit über den Radius einer normalen Pfarrkirche hinausgingen. Dies liegt an ihrer Schnittmengenlage aus Bonner Bürgertum, bundespolitischen Einrichtungen und akademischem Leben einer der großen deutschen Traditionsuniversitäten. Am 4. Mai 2008 war es wieder einmal so weit: Anlässlich der 122. Cartellversammlung des CV feierten der Päpstliche Gesandte in Deutschland, Erzbischof Dr. Périsset, und der Kölner Weihbischof Dr. Koch in St. Elisabeth ein Hochamt mit Abgesandten der CV-Studentenverbindungen aus allen Hochschulorten Deutschlands.

Der weite Kirchenraum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Zwei Bischöfe, Pastor Jäckel mit vielen Konzelebranten, die Fahnenabordnungen der CV-Verbindungen, eine große Schar unserer Messdiener und nicht zuletzt die Kölner Domkantorei und Domkapelle unter Winfried Krane gaben dieser Sonntagsmesse einen besonders festlichen Charakter. Glaube muss letztlich im Innern reifen, gelegentlich sollte er aber mit allen Sinnen besonders erfahren werden. Beethovens C-Dur-Messe, Weihrauch, die alten lateinischen Messtexte und die besondere Präsenz von Geistlichen und Gläubigen gaben dem dafür Aufgeschlossenen das Gefühl, in der langen Tradition der Weltkirche zu stehen. Das tut gut und gibt Gelassenheit für die Wirrungen und Aufgeregtheiten des Alltags. Cartellbruder Dr. Koch leitete in der Predigt drei große christliche Imperative her: "Zusammen bleiben", "beten" und "gemeinsam aufbrechen". Er erweiterte das Motto dieser CV: "Mit Wissen die Zukunft gestalten" zu: "Mit Wissen und Gott die Zukunft gestalten".

Bleibt noch die Frage: Was ist eigentlich der Cartellverband (CV)? "Kartell" ist ein – im ökonomischen Kontext – negativ besetzter Sachverhalt, gegen den das nicht weit von hier gelegene Bundeskartellamt einzuschreiten hat. Der "Cartellverband der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen" (CV) hat damit allerdings nichts zu tun. Er ist schlicht der Dachverband von 126 farbentragenden, nicht-fechtenden katholischen Studentenverbindungen aller deutscher Hochschulstandorte. "Farbentragend" bedeutet dabei, dass man die gemeinsamen Werte des CV nicht nur im Hinterzimmer eines Vereinslokals bekräftigt, sondern mit Band und Mütze im gesellschaftlichen Leben dazu "Farbe bekennt". Die Prinzipien des CV sind "Scientia" (Leistungsorientierung in der Wissenschaft), "Religio" (praktizierter katholischer Glaube), "Amicitia" (lebenslange Freundschaft über die Studienjahre hinaus) und "Patria". Das Prinzip "Patria" (Vaterland) bedarf dabei immer sofort der klärenden Kommentierung, da es in Deutschland immer noch reflexartig negativ ausgelegt wird. "Patria" bedeutet gerade nicht tumber Nationalismus, sondern ein auf christlichen Werten basierendes europäisches Selbstverständnis in der Globalisierung.

Neben diesen Grundwerten ermöglichen die jeweiligen CV-Verbindungen vor Ort den Mitgliedern und Gästen ein vielfältiges kulturelles und geselliges Programm. Gerade Studenten, die "in der Fremde" studieren, und während des Studiums nicht im gesellschaftlich-sozialen Gefüge ihres Heimatortes verbleiben, nehmen dieses Bindungsangebot gerne an. Im Weichbild von St. Elisabeth laden gleich mehrere CV-Verbindungen zur Teilnahme an den Programmen auf ihre Häuser ein. In der Tempelstraße übrigens eine der ältesten Verbindungen des CV, die 1844 an der damals noch jungen Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität gegründete K.D.St.V. Bavaria Bonn.

Dr. Ralph Wichmann
K.D.St.V. Oeno-Danubia im CV zu Passau