Katholische Pfarrgemeinde St. Elisabeth, Bonn

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Konzerte 13. - 20.11.2010

 

Samstag, 13. November 2010, 18:00 h

Festkonzert 100 Jahre Elisabeth-Chor Bonn

Der Elisabeth-Chor Bonn, die Domkantorei und die Kölner Domkapelle unter Leitung von Winfried Krane. Solisten sind Ingeborg Bongartz (Sopran), Lisa Wedekind (Mezzo), Markus Francke (Tenor), Phillip Langshaw (Bass).

 

Robert Schumann
Missa sacra (Messe in c-Moll) für Soli, Chor und Orchester op. 147

(Mit Rücksicht auf die Gesamtdauer des Konzerts, wird im Rahmen dieses Konzertes auf die Ausführung des Credos verzichtet.)

Seinen brieflichen Äußerungen zufolge, fühlte sich Schumann erst in seiner späten Schaffensperiode bereit für die geistliche Musik. Nicht zuletzt deshalb, weil wir »in der Jugend […] noch so fest in der Erde mit ihren Freuden und Leiden [wurzeln].« Sich der geistlichen Musik zuzuwenden, so Schumann, sei »das höchste Ziel des Künstlers«. Vier Jahre vor seinem Tod 1852, komponierte er die Orchesterfassung seiner c-Moll Messe - ein Jahr darauf folgten die Orgelfassung und der vierte Satz (Offertorium). Lange war unklar, welchen Rang seine Komposition in seinem Gesamtwerk einnahm. Erst als die Messe nach Schumanns Tod 1861 endlich vollständig zur Aufführung kam, realisierte das Publikum ihren unschätzbaren Stellenwert: »[…]Wie schön das klingt… im Sanctus [sind] einzelne Sätze von so wundervoller Klangwirkung, dass es einem kalt über den Rücken rieselt.« (Clara Schumann an Brahms)

Die Messe, das erste Werk Schumanns mit lateinischem Text, entstand innerhalb weniger Wochen im Februar/März 1852. Obwohl offensichtlich auch für den Konzertsaal konzipiert und am 3. März 1853 unter Schumanns Leitung in einem Düsseldorfer Abonnementkonzert fragmentarisch uraufgeführt, gibt dieses Werk den drei Solopartien kaum Gelegenheit zur Entfaltung. Nicht nur die Rahmenteile Kyrie und Agnus Dei, sondern auch das Credo sind reine Chorsätze. Dazu bildet das ins Messordinarium eingeschobene solistische Offertorium „Tota pulchra es“, das in der originalen Instrumentierung nur von Violoncello und Orgel begleitet werden soll, ein reizvolles Gegenstück. Kyrie und Agnus Dei sind durch die im Innern des Werkes seltene Tonart c-moll, durch die Tempobezeichnung „Ziemlich langsam“ und durch motivische Entsprechungen eng miteinander verbunden. Die Gestaltung des Sanctus ist außerordentlich und spannungsvoll: mit dem Solo-Benedictus des Tenors beginnt eine ausführliche Elevationsmusik, die sich im „O salutaris hostia“ (Bass-Solo) fortsetzt, um im Sanctus-Thema zu enden bevor eine große Amen-Fuge die erzeugte Spannung aufnimmt und auflöst.

Auch sonst erweist sich die Gesamtanlage der Messe als außerordentlich homogen. Die im Innern beinahe konzentrisch angeordneten Haupttonarten Es-dur, g-moll und As-dur – Schumann verzichtet völlig auf Kreuztonarten! - , die auch in den textreichen Gloria- und Credo-Teilen überwiegend langsamen Tempi und der über weite Strecken geschlossen homophone Chorsatz sind für dieses verhaltene, eher introvertierte Werk charakteristisch. Die expressive Harmonik, präzise eingesetzte Kontrapunktik (z.B. Schlussfugen in Gloria und Sanctus) und thematische Prägnanz zeigen die Missa sacra als hochromantisches Werk, das zu den großen Meisterwerken der geistlichen Musik im 19. Jahrhundert zählt

 

Josef Lammerz „Te Deum“ 1954/96 - Uraufführung

Josef Lammerz komponierte 1954 sein Te Deum für Soli, Chor und großes Orchester. Der Ambrosianische Lobgesang hat schon viele Komponisten angeregt, einen groß angelegten Hymnus zu komponieren. Mozart, Bruckner, Dvorak u.a. haben das in quasi ineinander laufenden, mehrsätzigen Werken getan. Josef Lammerz geht ebenso vor, wobei die Musik thematisch aus der Gregorianik erwächst. Es lassen sich harmonisch Vergleiche mit der Musik Kodays oder Bartoks herstellen. Die Polyrhythmik und -metrik des Werkes zeigen Einflüsse der genannten osteuropäischen Musik, häufige Taktwechsel und Betonungsverschiebungen machen das deutlich. Melodische und harmonische Elemente der Gregorianik erfahren z.B. durch offene Quinten eine Offenheit in der Tonalität, durch zahlreiche Dissonanzen Verfremdungen. Das Stück endet mit einem E-Dur Sekundakkord, wobei die Sekunde d im Bass sich aus dem letzten Thema (in te Domine) ergibt und den Lobgesang über das Ende hinaus offen hält.

Sein „Te Deum“ blieb bisher unaufgeführt. Überarbeitungen von 1988/96 brachten es wieder in den Focus. Der 80. Geburtstag des Komponisten 2010, der 100. Geburtstag des Bonner Elisabeth-Chores und auch das 15. Stiftungsfest der noch jungen Domkantorei Köln und der Kölner Domkapelle motivieren zur Erstaufführung, unter Anwesenheit des Komponisten.

Der Komponist Josef Lammerz wurde 1930 in Bonn geboren. Besonders geprägt wurde er durch Hubert Brings, dem damaligen und langjährigen Münsterorganisten in Bonn. Von 1950 bis 1954 studierte er Kirchenmusik in Düsseldorf und betrieb privat Kompositionsstudien bei Rudolf Petzold in Köln und weitere Orgelstudien in Düsseldorf bei Clemens Ingenhoven. Von 1956 bis 1975 war Josef Lammerz Organist und Chorleiter an der Christ-König-Kirche in Duisburg. Von 1961 bis 1975 war er als Lehrbeauftragter an der Niederrheinischen Musikschule in Duisburg und für Theorie an der Folkwangschule Essen, Institut Duisburg, tätig. Von 1975 bis 1989 arbeitete er als Organist und Chorleiter am Bonner Münster. Heute lebt Josef Lammerz in Teulada, Spanien.

 

Winfried Krane studierte an der Universität Bonn Religions- und Musikpädagogik mit Hauptfach Orgel bei Münsterorganist Hubert Brings. Sein Gesangstudium absolvierte er bei Prof. Phillip Langshaw (heute Musikhochschule Köln). Schon seit 1974 war er Chorleiter und Organist in Köln und Wesseling, bevor er 1983 in das Amt des Elisabeth-Organisten in Bonn berufen wurde. 1987 ging Winfried Krane hauptberuflich in den gymnasialen Schuldienst. Als Fachberater begleitete er in St. Elisabeth die umfassende Orgelrenovierung bzw. -vollendung mit dem Fernwerk und rief 1991 das Internationale Orgelfest ins Leben. 1994 übernahm er die Leitung der Musikhochschule des Kölner Domchores. Seit 1995 ist er Dirigent der von ihm neugegründeten Domkantorei und der Kölner Domkapelle. Der Kirchenmusik von St. Elisabeth ist er trotz seiner neuen Aufgaben treu geblieben.

 

Samstag, 20. November 2010, 18:00 h

Orgelkonzert

Orgel: Günter Schürmann

Mit folgenden Werken:

  • C.S. Lang: Tuba tune
  • Rheinberger: a.d. Miscellaneen Cantilene
  • Brahms: O Welt, ich muß dich lassen
  • Franck: Cantabile; Howells: Psalm-Prelude
  • Preston: Allelujas
  • Sattler: Großer Gott, wir loben dich (Choralfantasie)
  • Reger: Toccata / Fuge d-moll/D-dur

 

Günter Schürmann studierte Schul- und Kirchenmusik (A-Examen) an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theologie an der Universität in Köln. Als Studienrat unterrichtet er am Erzbischöflichen Irmgardis-Gymnasium in Köln und betätigt sich außerdem als Organist in St. Aposteln, Köln. In St. Elisabeth Bonn hat Günter Schürmann seit 1995 zusammen mit Prof. Dr. Otto Depenheuer und Winfried Krane Dienste als Organist und Chorleiter übernommen.