Katholische Pfarrgemeinde St. Elisabeth, Bonn

Virtueller Kreuzweg

1. Station - Jesus wird zum Tode verurteilt.

Kreuzweg

Todesurteile.
Ich bin zum Tode verurteilt.
Mit dem Tag meiner Geburt.
Das weiß ich.
Aber wissen wollen, tue ich es nicht.
Also verdränge ich das.
Meistens.
Aber im Moment ist Verdrängen schwer.
Fast unmöglich.
Denn die Angst vor dem Tod geht um.
Der Tod ist auf einmal aus der dunklen Verdrängung ins Licht getreten.
Trifft es mich?
Trifft es Menschen, die ich liebe?

Es traf Christus.

"Christus, wir vertrauen uns dir an. Wir bitten. Wir danken. Wir hoffen. Wir lieben. Nimm uns mit auf deinem Kreuzweg, der uns am Ende der Weg ins Leben ist. Amen“


2. Station - Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

Kreuzweg

Die Frage nach dem Kreuz.

Es ist die schwierigste Frage der Welt.

Auf diese Frage hat Jesus keine verbale Antwort gegeben, aber er hat sie durch Angst, Unverständnis, sein Gebet im Ölgarten und Golgotha beantwortet. Jesus hat keine große Rede über das Kreuz gehalten; Er hat uns den Sinn des Kreuzes gezeigt. Warum Kreuz, warum Krankheit, warum Corona-Virus? Das ist die schwierige Frage nach dem, was uns überfordert.

Warum?

Warum?

Warum?

Jesus erklärt dies durch sein Beispiel;

Er nimmt das Kreuz auf sich und dadurch erlöst Er jede und jeden von uns.

Warum Kreuz?

Jesus scheint mir zu sagen:

Schau mal, es ist doch alles ganz einfach, wenn du liebst.

Pater Jacek


3. Station - Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuz

Kreuzweg

Und wenn der Kreuzweg die ganze Gott-Menschgeschichte im Zeitraffer ist?

Und wenn Gott in der Gott-Menschgeschichte immer wieder stürzen müsste?

Der Sündenfall
Sodom und Gomorra
Der Tanz um das Goldene Kalb …
Unzählige Betrugsgeschichten in einer unendlichen Liebesgeschichte

Schließlich das Kreuz - damals wie heute
Worüber fällt Gott heute?
Welchen Stolperstein für die Liebe Gottes trage ich in mir?
Welchen Stolperstein werfe ich ihm vor die Füße und welchen räume ich noch rechtzeitig weg?

„Christus, wir müssen bekennen, dass wir dir nur zu oft Steine in den Weg legen. Allzu oft wollen wir deine Liebe nicht sehen. Uns von ihr nicht in die Pflicht nehmen lassen. Wenden wir uns ab und der Lieblosigkeit zu. Was bleibt uns mehr, als dich zu bitten: verzeih… Amen“

Martina Kampers


4. Station - Jesus begegnet seiner Mutter

Kreuzweg

Die Anwesenheit von Maria auf dem Kreuzweg ist in der Bibel nicht belegt. Aber wir wissen, dass sie da war, weil sie ihren Sohn nie im Stich gelassen hätte.

Wir vermuten, dass sie auf dem Weg sehr mit ihrem Sohn mitlitt. Was sie sagte, was sie dachte, wie sie reagierte, werden wir nie erfahren.

Ihre Anwesenheit hat theoretisch nichts bewirkt und nichts geholfen. Sie konnte ihren Sohn nicht beraten oder irgendwie unterstützen.

Andererseits sind wir sicher, dass ihre Anwesenheit enorm wichtig für ihren Sohn war. Das lässt sich nicht belegen, aber vom Herzen her wissen wir, dass es so war.

Mach dich auf den Kreuzweg auf und du wirst verstehen, wer Maria ist. Du wirst verstehen, dass deine Anwesenheit an einem Sterbebett, im Hospiz, bei den Einsamen großen Wert hat.

Ohne Worte, ohne Fachwissen, ohne Kompetenzen wirst du Großartiges vollbringen.

Das Großartige ist hierbei nämlich die Liebe.

Pater Jacek


5. Station – Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

Kreuzweg

Warum ausgerechnet ich?
Wär ich doch bloß einen anderen Weg gegangen!
Konnten die nicht einen anderen aussuchen?
Was hab ich denn damit zu tun?
Was geht mich das eigentlich an?

Uns sehr vertraute Gedanken und Fragen.
Meistens werden sie
gedacht,
in die Tat umgesetzt,
wenn
Wegducken,
Ausweichen,
Abtauchen
nicht mehr gelingt...

Und wenn das uns Abverlangte uns womöglich sogar sinnlos erscheint:

Was nützt es denn, wenn nur ich..?
Was kann ich schon ausrichten?
Aber die anderen machen doch auch...

Halte inne.
Denk daran, wann du so
gedacht,
gesprochen,
gehandelt
hast.

Dann schau auf Simon.

Und dann, nimm die Herausforderung an.
Nicht mehr wegducken.
Nicht mehr wegsehen.
Nicht mehr abtauchen.

Sondern der sein, auf den es ankommt.

„Christus, stärke mich, ermutige und ermahne mich, hilf mir, der Mensch zu sein, der in mir steckt und auf deinen Ruf antwortet. Amen“

Martina Kampers


6. Station - Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Kreuzweg

Warum ausgerechnet ich?
Wär ich doch bloß einen anderen Weg gegangen!
Konnten die nicht einen anderen aussuchen?
Was hab ich denn damit zu tun?
Was geht mich das eigentlich an?

Uns sehr vertraute Gedanken und Fragen.
Meistens werden sie
gedacht,
in die Tat umgesetzt,
wenn
Wegducken,
Ausweichen,
Abtauchen
nicht mehr gelingt...

Und wenn das uns Abverlangte uns womöglich sogar sinnlos erscheint:

Was nützt es denn, wenn nur ich..?
Was kann ich schon ausrichten?
Aber die anderen machen doch auch...

Halte inne.
Denk daran, wann du so
gedacht,
gesprochen,
gehandelt
hast.

Dann schau auf Simon.

Und dann, nimm die Herausforderung an.
Nicht mehr wegducken.
Nicht mehr wegsehen.
Nicht mehr abtauchen.

Sondern der sein, auf den es ankommt.

„Christus, stärke mich, ermutige und ermahne mich, hilf mir, der Mensch zu sein, der in mir steckt und auf deinen Ruf antwortet. Amen“

Martina Kampers


7. Station – Jesus fällt zum zweiten mal unter dem Kreuz

Kreuzweg

oben – unten
stehen – liegen
ausholen – kriechen
kraft – erschöpfung
gewalt – resignation

Jeder von uns kennt beide Zustände.
Und vermutlich sind wir im Zweifelsfall doch lieber auf der Gewinnerseite – Zu welchem Preis auch immer...

Dabei erfordert es doch oft viel mehr innerer Haltung,
Sich zu denen zu stellen, die unten liegen.
Flüchtlinge
Corona-Patienten, die aus Italien zu uns gebracht werden
Obdachlose
Drogensüchtige
...

Es ist ein billiger Sieg auf die einzutreten und einzustoßen, die bereits am Boden liegen.

Am Boden liegend, vorwärtskriechen...
Einen am Boden Liegenden aufzurichten...
Das zeigt Stärke. Haltung. Mut. Liebe.

„Christus, ermutige uns jeden Tag neu, den Kraftakt zu wagen, schwach zu sein und Schwachen beizustehen. Amen“

Martina Kampers


8. Station - Jesus begegnet den weinenden Frauen.

Kreuzweg

Jesus hat getröstet, weil Er wusste, was Tränen und Schmerz sind.
Wenn du die anderen trösten möchtest, aber nicht oberflächlich, sondern mit Tiefgang, musst du zuerst selbst weinen können.

Jesus weinte über Jerusalem, beweinte seinen verstorbenen Freund Lazarus.
Jesus war sensibel für die Tränen der anderen Menschen. Zu denen, die die verstorbene Tochter Jairs beweinten, sagte Er: „Weint nicht.“
Ähnlich tröstete Er die Mutter des verstorbenen Jungen von Naim.
Maris Magdalena fragte Er: „Warum weinst du?
Die Tränen von Jesus und die Tränen von denen, die ihre Toten beweinten, die Tränen von Petrus waren immer Tränen der Liebe, Tränen einer schwierigen Lage oder manchmal Tränen der Ohnmacht.

Es gibt Menschen, die meinen, dass sie selbstbeherrscht sind, weil sie nicht weinen.
Sie sind nicht selbstbeherrscht, sie sind krank.
Jesus war immer selbstbeherrscht und doch weinte Er mehrmals.

Ausser Arbeit, Lernen und aller Mühe muss ein echter Christ herzlich lachen und bitter weinen können.
Denn so ist das Leben.
Erst dann kann er die anderen trösten. Dann ist er ein Mensch.


Station 9 - Jesus fällt zum dritten mal unter dem Kreuz

Kreuzweg

Absolut nicht mehr weiter können.
Keinen Schritt mehr.
Keine Bewegung mehr.

Nur noch kraftlose Masse.
Aber auch nicht weiter müssen.
Das grausame Ziel erreicht.

Kraftlos
Willenlos
Bewußtslos

Es gibt einen Punkt
im Leiden,
im Schmerz,
in Angst,
da wird die totale Erschöpfung
ein Moment der Gnade.

Der Augenblick,
in der kämpfen sinnlos ist,
in der es keine Erwartung mehr gibt,
in dem ich mich fallen lassen und kann
in die Hand Gottes,
die mich halten wird, wenn
das Leid,
der Schmerz,
die Angst überwunden ist...

"Christus, wenn ich dich anschaue, sehr ich unzählige Menschen in ihrer unfassbaren Not.
Sehe ich auch manchmal mich.
Schenke mir dieses unendliche Gottvertrauen, dass dich überhaupt hat diesen Weg gehen lassen, Amen!"

Martina Kampers


10. Station - Jesus wird seiner Kleider beraubt

Kreuzweg

Jesus steht da ohne Kleider - Reinheit pur!
Alle starren ihn von allen Seiten an.
Vielleicht lachen sie ihn aus, zeigen mit dem Finger auf ihn.

Sie können ruhig gaffen.
Sie finden in ihm keine Sünde, keine Falschheit.
Deswegen haben sie die falschen Zeugen bestellt.

Unschuld gibt Mut und Freiheit.
Ihr könnt mir nachlaufen, mich belauern, belauschen - ihr werdet nichts finden.
Du selbst wirst dich schämen,
denn es ist unmenschlich und unwürdig,
in die Intimität der anderen einzubrechen.

Wenn du wirklich mit Christus bist, was fürchtest du noch?

Du hast nichts zu verlieren.
Und wenn du fürchtest,
dass du etwas zu verbergen hast,
hast du dich noch nicht von Christus verwandeln lassen.

Wenn du rein und schön bist, brauchst du
keine Kleider der Lüge
oder der Angeberei;
dann kannst du ruhig sein
wie ein Kind auf dem Schoss seiner Mutter.

Pater Jacek


11. Station – Jesus wird an das Kreuz genagelt

Kreuzweg

Festgenagelt!
Kein Entkommen mehr.

Keine Hand hält mehr, was sie halten will.
Kein Fuß geht mehr einen frei gewählten Schritt.

Ein Schrei geboren
in Unfreiheit,
in unsagbarem Schmerz.
in Ohnmacht.

In dieser
allmächtigen Ohnmacht
birgt Gott alles Leiden dieser Welt.
Mächtiger kann Liebe nicht sein.

Von jetzt an gilt:
Fragst du im Leid nach Gott,
schreit er mit dir in
deiner Unfreiheit,
deinem unsagbaren Schmerz,
deiner Ohnmacht:

ICH BIN DA.
„Christus, ich glaube.
An Gott.
Deinem Vater.
Den Allmächtigen.
Ich glaube an dich.
Seinen Sohn.
Geboren in der Machtlosigkeit
eines Flüchtlingskindes.
Ich glaube an den Heiligen Geist. Amen“

Martina Kampers


12. Station - Jesus stirbt am Kreuz

Kreuzweg

Jesus stirbt am Kreuz.

Gott stirbt,
der Heiligste und Reinste
für die Sünden und Gräueltaten der Menschen.

Dabei vergibt Er
alle Sünden und Vergehen dem Schächer;
gibt Seine Mutter zu unserer Mutter;
leidet bis zum bitteren Ende...

Durch Seinen Tod
möchte Er uns alle erlösen.

Die Frage ist,
ob ich,
hier und jetzt,
sein Angebot annehmen will.

Was könnte ich hier noch sagen?

Lieber schweigen.

Pater Jacek